Systembauweise für wirtschaftlichen Wohnraum.

Wo vorher Abstellgleise und Güterschuppen das Umfeld des Nürnberger Nordostbahnhofs prägten hat die wbg Nürnberg ein neues Wohnquartier mit insgesamt 106 Mietwohnungen und eine Kindertagesstätte errichtet. Neben freifinanzierten Mietwohnungen entstanden einkommensorientiert geförderte Wohnungen (EOF) in der rationellen Systembauweise KS-QUADRO, bei denen Kaltmieten im Bereich von nur 8,10 bis 8,50 EUR/m² möglich wurden.

Die drei Bauteile gruppieren sich U-förmig um einen begrünten Innenhof mit Spielplätzen und wirken dadurch als architektonisch schlüssiges und städtebaulich geschlossenes Ensemble. Bei den Funktionen, den Finanzierungsformen und selbst den Architekturbüros hat die WBG jedoch ganz bewusst auf Vielfalt und Differenzierung gesetzt. So realisierte das Büro Aicher + Hartmann den quer stehenden Bauteil A mit der Kindertagesstätte im Erdgeschoss. Für die beiden parallelen Gebäude bekam das Büro Loebermann + Bandlow den Zuschlag, die den zur Straße und zum Bahnhof weisenden Bauteil B als geschlossenen Riegel konzipierten, während das rückwärtige Bauteil C an drei Stadtvillen erinnert.

Bauteil C mit der Tiefgarage, dessen (Hochbau-)Architektur an Stadtvillen erinnert.

Bauteil B schließt den Innenhof als geschlossener Gebäuderiegel zur Bahn und zur Straße ab.

So unterschiedlich wie die Formensprache sind im Loebermann + Bandlow-Projekt auch die Finanzierungsmodelle: 38 freifinanzierten Mietwohnungen im Bauteil C werden ergänzt durch 40 öffentlich geförderte Wohnungen im Bauteil B, womit die wbg einerseits den auch in Nürnberg dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum schafft und andererseits eine ausgewogenen soziale Mischung in ihrem neuen Quartier erreicht.

Trotz der unterschiedlichen Finanzierungsformen konnten die Bauteile B und C in ein und derselben Bauweise aus Kalksandsteinmauerwerk errichtet werden: Die Außenwände, die Wohnungstrennwände und die tragenden Innenwände des geförderten Wohnungsbau entstanden mit dem rationellen Bausystem KS-QUADRO, dass große Steinformate für den schnellen Baufortschritt mit einer intelligenten Versetztechnik und einer sehr flexiblen, steingenauen Planung der Grundrisse verbindet.

Der funktionsgetrennte Aufbau der KS-Außenwände ermöglichte schlanke, flächensparende Wanddicken und gleichzeitig eine hohe Variabilität bei der Fassadengestaltung. Die flächensparenden schlanken Außenwände entsprechen in der Dicke etwa dem herkömmlichen „36er-Mauerwerk“. Sie vermeiden dadurch den Schießscharteneffekt ungewöhnlich tiefer Fensteröffnungen, erfüllen durch die Funktionstrennung aber trotzdem moderne Standards der Energieeffizienz.

Bei der Funktionstrennung wird die tragende KS-Schale allein nach den statischen Anforderungen optimiert, wofür überwiegend 175 mm Wanddicke ausreichten. Den Wärmeschutz übernimmt die äußere Wärmedämmung mit in der Regel 140 mm und in einigen Bereichen bis 180 mm Dicke. In Summe entspricht das ziemlich genau der traditionellen 36er-Außenwand, die jeden „Schießscharteneffekt“ vermeidet, aber trotzdem den KfW 70-Standard der Gebäude unterstützt.

Die rationelle Systembauweise ließ den Architekten alle Freiheit der Gestaltung, wie die Vor- und Rücksprünge der Außenwände, die verschiedenen Loggien, Balkone und Laubengänge oder die unterschiedlichen Fassaden mit mineralischem Putz und vorgehängter hinterlüfteter Fassade zeigen.

Entlang des nach außen weisenden Laubengangs von Bauteil B wechselt die mineralische Putzoberfläche zu einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade.

Beim Richtfest am Nürnberger Nordostbahnhof war das Prinzip der Funktionstrennung bei Kalksandstein-Außenwänden noch direkt ablesbar: Die tragende KS-Schale wird hauptsächlich unter statischen Gesichtspunkten optimiert, später folgte die äußere Wärmedämmung für die Energieeffizienz und die Putzfassade.

Bei den tragenden Trennwänden im Inneren des Gebäudes, die Wohnungen untereinander oder zum Treppenhaus abgrenzen, war neben den statischen Anforderungen vor allem ein hoher Schallschutz zu beachten. KS-QUADRO in 240 mm Dicke stellt hier die Einhaltung der normativen Vorgaben sicher und schafft für die Bewohner eine ungestörte, ruhige Wohnatmosphäre.

Lage
Nürnberg
Architektur/Bauplanung
Loebermann + Bandlow Architekten
Bauherr
wbg Nürnberg
Baukosten
26690000€
Grundfläche
2075m²
Fertigstellung
2017

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