Unverbaubarer Blick auf den Brocken.

Der zweigeschossige quaderförmige Bau mit den weißen Putzfassaden schmiegt sich an einen kleinen Hang und öffnet sich mit seiner Längsseite über große Fensterflächen zur umgebenden Landschaft. Zusammen mit dem Büro architecten GJH entwickelte der Bauherr Thomas Klein sein Wohnhaus, das in einer klassisch-schlichten Architektursprache gehalten ist. Bei der Konstruktion der Außen- und Innenwänden setzten Bauherr und Architekt auf ein massives, solides Mauerwerk aus Kalksandstein.

Das Leben auf dem Land erfreut sich wachsender Beliebtheit. Den Wunsch nach einem Haus im Grünen, das bezahlbar ist und nicht auf einer handtuchgroßen Fläche steht, hatte auch Thomas Klein. Am Ortsrand eines kleinen Dorfes südwestlich von Salzgitter fand er eine freie Fläche mit leichter Hanglage, eingebettet zwischen Pferdeweiden und Feldern, und mit einem unverbaubaren Blick auf den höchsten Berg im Harz - den Brocken.

Als sich der Architekt Frank Guder zum ersten Mal mit dem Bauherrn zusammensetzte, erkundigte er sich genau nach dessen Wünschen. Thomas Klein favorisierte eine Gestaltung, die sich an der klassischen Moderne orientiert, also an der Formensprache der Architektur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In diesem Sinne fertigte der Architekt einen Entwurf, der den Bauherren gleich überzeugte und mit nur wenigen Änderungen so realisiert wurde.

In einem Dorf in der Nähe von Salzgitter erfüllte sich der Bauherr einen Traum: ein Wohnhaus im Stil der klassischen Moderne mit einem Panoramablick bis zum Brocken.

Nach Norden hin zeigt sich der Bau geschlossener. So sind die Bewohner vor neugierigen Blicken von der Straße geschützt.

Nähert man sich dem Eingangsbereich des Hauses, gibt es sich zurückhaltend: Ein schmales Band aus Fenstern und mit Metallpaneelen verkleideten Flächen zieht sich über Eck von der Nord- zur Westseite. Von dieser Straßenseite her nimmt man nur ein Geschoss wahr sowie das zur Gartenseite hin ansteigende, ebenfalls mit Metallpaneelen bekleidete Pultdach. Über eine großzügige Diele, die über Dachfenster im Pultdach belichtet wird, gelangt man entweder in die nach Norden orientierten Schlaf- und Arbeitsräume oder in den lichten, offenen Bereich für Wohnen, Essen und Kochen auf der Südseite. Hier öffnet sich das Bauwerk über die komplette Breite mit Glasflächen zur umgebenden Landschaft.

Der Flur, der die privateren Räume im Norden mit dem offenen Wohn- und Essbereich verbindet, wird von Oberlichtern gleichmäßig belichtet.

Der Bereich für Kochen und Essen ist offen gehalten, die Raumübergänge sind fließend. Auch der Wohnbereich ist in dieses offene Grundrisskonzept einbezogen. Keine Abtrennung oder Wand stört die Kommunikation und das Zusammensein der Bewohner.

Mit großflächigen Verglasungen öffnet sich das Wohnhaus nach Süden. Eine große mit einem Blindbalken gerahmte Terrasse im Obergeschoss schiebt sich aus dem quaderförmigen Bau heraus, um die Gartenfront zu strukturieren und dadurch optisch zu beleben. Auch das Untergeschoss verbindet innen und außen über raumhohe Fenster. Auf dieser unteren Ebene befinden sich ein Gästebereich, Technikräume sowie ein multifunktional nutzbarer Bereich.

Wir schätzen die vielen positiven Eigenschaften von Kalksandstein.

Das gesamte Gebäude ist massiv konstruiert. Während die Decken aus Stahlbeton bestehen, sind sämtliche Außen- und Innenwände mit Kalksandsteinen aus dem KS-ORIGINAL Programm gemauert. Der Architekt Frank Guder erläutert seine Wahl: „Wir schätzen die vielen positiven Eigenschaften von Kalksandstein. So ist der Baustoff zum einen durch die hohe Druckfestigkeit auch in schlanken Formaten sehr tragfähig. Zum anderen haben wir durch die hohe Rohdichte einen guten Schallschutz. Und er lässt sich auf der Baustelle schnell verarbeiten. Das spart Zeit.“ Den Bauherren Thomas Klein überzeugte zudem das gute Raumklima in Gebäuden aus Kalksandstein durch die hohe Wärme- und Feuchtespeicherfähigkeit. „Nachdem ich fast ein Jahr hier wohne, kann ich sagen, dass die Raumtemperatur im Sommer angenehm kühl bleibt und im Winter angenehm warm ist.“ Auf den 24 Zentimeter dicken KS-Außenwänden befindet sich eine 20 Zentimeter starke Dämmung. Den äußeren Abschluss bildet ein weißer Kratzputz.

Im Obergeschoss genießen die Bewohner von jedem Standpunkt aus einen freien Blick in die Natur.

Ein Bad mit Aussicht, das jedoch vom Garten her durch die vorgelagerte Terrasse vor Einblicken geschützt ist.

Da heutiges Bauen immer auch Überlegungen zum angestrebten Energiestandard beinhalten muss, entwickelte der Architekt für dieses Haus ein individuelles Energiekonzept: Das Niedrigenergiewohnhaus wird über eine Geothermieanlage beheizt. Drei Erdwärmesonden, die bis in eine Tiefe von etwa 100 Metern reichen, entziehen dem Erdreich Wärme, über ein Trägermedium wird diese ins Haus „gepumpt“ und anschließend mithilfe eines Wärmetauschers an das Heizungs- und Brauchwasser abgegeben. Über die Fußbodenheizung lassen sich dann die Räume temperieren.

architecten gjh

Im Jahr 1993 gründeten Frank Guder, Wolfgang Jung und Bernd Hämmerli in Salzgitter-Lichtenberg das Architekturbüro architecten gjh für die Abwicklung sämtlicher Leistungsphasen der Gebäudeplanung. Die Bandbreite der Projekte reicht von öffentlichen über gewerbliche Bauten bis zu Ein- und Mehrfamilienwohnhäusern. Mittlerweile zählt das Büro 15 Mitarbeiter.
Die intensive Bauherrenberatung gleich zu Beginn eines Projekts gehört zur Firmenphilosophie des Architekturbüros. Frank Guder erklärt: „Wir haben keine fertigen Pläne in der Schublade, sondern erarbeiten gemeinsam mit dem Bauherren ein individuelles Gebäude für den jeweiligen Standort. Die Beziehung zwischen Räumen, Lichtstimmungen, die Verbindung von innen und außen – all das fließt in den Entwurf mit ein.“

Lage
Landkreis Wolfenbüttel
Architektur/Bauplanung
architecten GJH, Salzgitter
Bauherr
Privat
Jahres-Primärenergiebedarf
21kWh/m²
Grundfläche
470m²
Fertigstellung
2017

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