Skulpturale Architektur mit Weitblick.

Auf den ersten Blick präsentiert sich das ca. 660 m² große Grundstück im münsterländischen Warendorf eher schlicht. Es liegt mitten in einem Neubaugebiet, umringt von konventionell gebauten Einfamilienhäuser, die vorwiegend mit Satteldächern errichtet worden sind. Doch die Bauherrenfamilie erkannte schnell das Potenzial des Baugrundstückes. „Wir haben den Bauplatz sofort sehr gemocht. Eine Fußgängerzone mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kindergarten und ein Krankenhaus mit Ärztezentrum sind schnell erreichbar. Auch die Süd-Westlage ist optimal. Ebenso der Bezug zur Natur. Am Ende des Grundstückes befinden sich Laubbäume, ähnlich einer Allee, die längs vor uns verläuft“, erklärt die Bauherrin. „Wir haben uns natürlich auch intensiv mit der Gestaltung des Hauses beschäftigt. Ein klassisches Satteldach kam für uns als vierköpfige Familie schon allein aufgrund des gewünschten Raumprogrammes nicht infrage“, ergänzt der Bauherr.

Mit dem Architekten Oliver Spiekermann, Beelen, fanden die Bauherren den richtigen Partner. Die Chemie stimmte schon beim ersten Treffen.

Beide haben gespürt, dass ihre Vorstellungen von Architektur konform gehen - einer Architektur, die sich deutlich von der umgebenden architektonischen Landschaft abgrenzt. Spiekermann: „Zunächst sind wir oft über das Grundstück gegangen, um herauszufinden, wie man sich der Umgebung und dem Gelände nähern könnte. Im Mittelpunkt standen Wohnwünsche und Raumvorstellungen der Bauherren und wie sie sich mit der Lage, Ausrichtung und Gestalt des Baukörpers vereinbaren lassen. Auch musste das Gebäude in dem leicht abfallenden Hanggrundstück ohne große konstruktive Maßnahmen eingebettet werden. Den Höhenunterschied haben wir durch tiefergelegte Garagen, die über Rampen zu erreichen sind sowie mehrere außen liegenden Treppen, die in das Gebäude führen, ausgeglichen bzw. überbrückt.“

Das fertiggestellte, zweigeschossige Domizil erweckt den Anschein, dass der abstrakte, kubische Baukörper sehr behutsam in das Neubaugebiet gestellt worden ist. Die schlanke Zurückhaltung und die im Bauhausstil zusammengefügten quader- und rechteckigen Gebäudeformen bereichern das Gebiet mit einer eigenen plastisch-skulpturalen Architektursprache. Die kontrastreiche Farbgebung - anthrazit und weiß - der einzelnen Baukörper verstärkt diese Wirkung. Von Anfang an stand fest, dass es ein in sich strukturiertes, minimalistisches Gebäude sein sollte. Individuell, mit einem hohen Maß an Wohnlichkeit. Die konsequenten, klaren Linienführungen und Formen werden bei diesem Entwurf durch zahlreiche Vor- und Rücksprünge ergänzt, die geschickt in das Ensemble integriert sind. Das Flachdach unterstreicht die gradlinige Bauweise und verleiht dem Gebäude eine moderne wie auch formvollendete Eleganz, ohne dabei kühl zu wirken.

Der Entwurf ist spiegelbildlich aufgebaut. Von der Vorder- bis zur Rückseite durchzieht mittig eine Spiegelachse das Gebäude, die aus einer 24 cm massiven Kalksandsteinwand besteht. Selbst die beiden Garagen, links und rechts vom Neubau, ordnen sich diesem Bauprinzip unter. Mit seiner zur Straßenseiten hin größtenteils weißen Fassade wirkt das ca. 166 m² große Haus aus Kalksandstein von KS* eher bescheiden und schlicht. Hier dominiert gekonnte Zurückhaltung. Es werden kaum Einblicke in das Haus gewährt. Es zeigt sich verschlossen, als ob es der Straße den Rücken zukehrt. Betrachtet man die Rückseite des Baukörpers, zeigt sich das Haus auf eine ganz andere Art und überrascht mit einer großzügigen Architektursprache. Beide Geschosse öffnen sich durch raumhohe, verglaste Fenstertüren / Schiebetüren über die Hausbreite und fokussieren die Blicke ganz auf die Aussicht zum Garten.

Das Obergeschoss, das mittig auf das Erdgeschoss als Rechteck platziert ist, trägt auf der Süd-Ostseite mit seiner Vorhangfassade aus anthrazitfarbenen Faserzementplatten

und bodentiefen Fensterelementen zu einer besonderen ausdrucksstarken Musterung und Akzentuierung der Außenwirkung bei.

Der Grundriss überzeugt durch großzügig geschnittene und strukturierte Raumverknüpfungen, mit klar nach ihren Funktionen getrennten Bereichen. Im Erdgeschoss sind dies insbesondere ein Arbeitszimmer für den Bauherren, der als Unternehmer auch am Wochenende arbeiten muss, wie auch die großzügig gestaltete Küche mit direktem Zugang zum offen gehaltenen Ess- und Wohnbereich, in dem in erster Linie das Zusammenleben der Familie stattfindet. Er öffnet sich mit zwei feststehenden, bodentiefen Glaselementen und einer mittig platzierten Glasschiebetür komplett über die gesamte Rückfront zur Terrasse.

Im langestreckten rechteckigen Obergeschoss, das durch eine freischwebende Faltwerktreppe zu erreichen ist, reihen sich zwei Kinderzimmer, ein Elterschlafzimmer mit Balkon sowie ein großzügiges Bad aneinander.

Neben der ausdrucksstarken Innen- und Außenarchitektur spielte bei der Planung auch die Affinität des Architekten Spiekermann zu dem massiven, weißen Wandbaustoff Kalksandstein von KS* eine wesentliche Rolle. „Wir haben Kalksandstein für die Innen- und Außenwände verarbeitet. Besonders seine hohen Schall- und Brandschutzeigenschaften wie auch die Wärmespeicherfähigkeit, mit der ein wohngesundes Raumklima geschaffen wird, waren dafür ausschlaggebend.“ Dazu der Bauherr: „Wichtig für uns war eine massive Bauweise mit Wänden, die auch schwere Lasten tragen können, wie zum Beispiel Hängeschränke. Aufgrund seiner hohen Druckfestigkeit kam nur Kalksandstein infrage.“

„Für mich als Architekten heißt Planen und Gestalten, auch immer einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten“, berichtet Spiekermann weiter. „Dazu gehört unter anderem auch eine sehr gute Energieeffizienz. Eine kubische Gebäudeform wie diese ist hierfür eine ideale Bauform“.

Als hochwärmegedämmte und energiesparende Außenwandkonstruktion kam eine KS-Funktionswand mit 24cm dicken Kalksandsteinen und einem 16 cm auftragendem Wärmedämmverbundsystem zur Ausführung:. Der U-Wert der Außenwandkonstruktion als maßgeblicher Nennwert und Maßstab für die Energieeinsparung liegt bei nur 0,22 W/m2K. Die hausumschließende Dämmung der Kalksandsteinwand sorgt darüber hinaus für die notwendige Wind- und Luftdichtheit.

Lage
Warendorf
Architektur/Bauplanung
Architekten Spiekermann
Bauherr
Privat
Jahres-Primärenergiebedarf
22kWh/m²
Grundfläche
166m²
Fertigstellung
2016

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