Architektur muss Identität stiften, um relevant zu sein.

Jung und laut, bunt und kreativ: Der ehemals industriell geprägte Hamburger Stadtteil Ottensen ist heute vor allem als Szeneviertel mit einem hohen Anteil an Beschäftigten aus der Kreativbranche bekannt. Diesem dynamischen, spannungsreichen Ort begegnen die Architekten Störmer Murphy and Partners mit einem zeitgemäßen Bürogebäude, dessen Architektur sich nicht aufdrängt, sondern behutsam in die Umgebung einfügt. Dennoch geht der Zeisehof nicht unter, sondern nimmt mit kraftvoller Ruhe und gradliniger Eleganz seinen selbstverständlichen Platz ein.

Denkfabrik im ehemaligen Industriebezirk.

Ottensen hat eine lange Geschichte als Arbeiterviertel und Industriestandort. Bis in die späten 1970er Jahre waren hier viele große Unternehmen zu Hause, darunter auch die Schiffsschraubenfabrik Theodor Zeise, die 1979 in Folge der Ölkrise Konkurs anmelden musste. Mitte der 1980er Jahre entstanden auf dem ehemaligen Fabrikgelände ein Kultur- und Medienzentrum, ein Kino und ein Restaurant sowie mehrere Kneipen. Der Zeisehof wurde direkt nebenan auf einer Freifläche errichtet, die früher als Parkplatz diente.

Mit dem Zeisehof wollten wir ein Stück weit an die interessante Geschichte dieses Ortes anknüpfen.

So berichtet Martin Murphy vom Hamburger Architekturbüro Störmer Murphy and Partners. „Unser Entwurf sollte sich nicht aufdrängen, sondern behutsam in die Umgebung einfügen. Der charaktervolle Wasserstrichklinker, den wir für die Fassade verwendet haben, passt zum Beispiel sehr gut zur vorhandenen Industriearchitektur. Innen dominieren helle Farben und zeitlose Materialien wie Metall, Beton und Kalksandstein.“

Der Zeisehof in Hamburg-Ottensen ist eine Denkfabrik mit 800 Arbeitsplätzen für Kreative aus unterschiedlichen Branchen.

Das großzügige Atrium lädt als Common Space zum Kommunizieren, Netzwerken und Verweilen ein.

Viel Raum für Kreativität.

Der Zeisehof bietet eine moderne Arbeitsumgebung für rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WPP-Gruppe, der weltweit führenden Marketing Communications Holding. In den oberen Stockwerken des sechsgeschossigen Neubaus stehen ihnen jeweils rund 2.000 Quadratmeter flexibel nutzbare Büroflächen mit natürlicher Belichtung und Belüftung zur Verfügung. Im Erdgeschoss befinden sich weitere Büroflächen, Konferenz- und Veranstaltungsräume sowie ein Café, das auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Eine Tiefgarage auf drei Untergeschossen bietet zudem Stellplätze für 191 Autos und 150 Fahrräder.

Durch die Bündelung verschiedener Agenturen, Disziplinen und Kompetenzen unter einem Dach ergeben sich viele neue Möglichkeiten für eine flexible und effiziente Zusammenarbeit. „Wir wollten mit unserem Entwurf eine inspirierende Atmosphäre schaffen, bei der Kommunikation, Gemeinschaft und Kreativität im Mittelpunkt stehen – eine Art Denkfabrik sozusagen“, erklärt Architekt Martin Murphy. Untermauert wird dieser Gedanke durch sogenannte Walkways, die um jedes Stockwerk führen, alle Etagen miteinander verbinden und interessante Einblicke in das zentrale Atrium ermöglichen.

Ein Folienkissendach auf einer gebogenen Holzbinderkonstruktion sorgt für eine natürliche Belichtung des Innenraums.

Sogenannte Walkways führen um jedes Stockwerk, verbinden alle Etagen und ermöglichen interessante Einblicke in das zentrale Atrium.

Klare Formen und zeitlose Materialien.

Herzstück des Gebäudes ist das lichtdurchflutete Atrium, ein Common Space für Kreative aus unterschiedlichen Branchen, die sich hier vernetzen und Synergien bilden können. Der futuristisch anmutende Empfang in der Mitte dient als zentrale Anlaufstelle für Besucher. Die Wände im Innenbereich wurden als Sichtmauerwerk mit KS-Fasenstein ausgeführt. Überspannt wird alles von einem Folienkissendach auf einer gebogenen Holzbinderkonstruktion. Deren rautenförmige Struktur spiegelt sich auch im Hallenboden wider, der von metallischen Fugen durchzogen ist – ein stimmiges Gesamtbild.

Mit einer klaren Formensprache und zeitlosen Materialien haben wir die historische Architektur der angrenzenden Fabrikhallen auf moderne Art und Weise interpretiert.

Martin Murphy ergänzt hierzu: „Während der Planungsphase für den Zeisehof gab es mehrere Dialoge und Workshops mit den Bauherren, in denen wir uns unter anderem für ein Sichtmauerwerk aus Kalksandstein ausgesprochen haben. Dieses Material weist nicht nur sehr gute lichtreflektierende Eigenschaften auf – mit seiner leicht rauen Oberfläche und den scharfen Kanten passt es auch perfekt zum industriellen Charakter des Gebäudes.“

Das Sichtmauerwerk aus KS-Fasenstein betont mit seiner präzisen Form und gefasten Kanten die Identität des Gebäudes.

Der scharfkantige, 45 Grad gefaste Kalksandstein erzeugt ein wundervolles Spiel aus Licht und Schatten.

Im Eingangsbereich wurde Wasserstrichklinker in zwei verschiedenen Farbtönen als Relief verbaut.

Der futuristisch anmutende Empfang in der Mitte dient als zentrale Anlaufstelle für Besucher.

Einleuchtende Haltung zur Nachhaltigkeit.

Das Lichtkonzept für den Zeisehof stammt vom renommierten Hamburger Lichtplaner Prof. Peter Andres. Das Gebäude kann aber nicht nur gestalterisch, sondern auch beim Thema Nachhaltigkeit überzeugen. Die großzügigen Büroflächen in den oberen Etagen zum Beispiel lassen sich im Falle einer künftigen Nachnutzung flexibel zu Mieteinheiten unterschiedlichster Größe aufteilen. Und durch die Verwendung hochwertiger Materialien wie Klinker und Kalksandstein werden höchste Standards in Sachen Tragfähigkeit, Brandschutz, Wärmeschutz, Schallschutz und Energieeffizienz erfüllt.

Der Architekt führt dazu aus: „Wir setzen gern solide, umweltfreundliche Materialien ein. Nachhaltigkeit hat für uns aber auch mit der Qualität von Gedanken zu tun. Unsere Gebäude müssen relevant sein – und sie sollen es auch bleiben! Das schönste Kompliment für einen Architekten ist doch, wenn die Menschen noch in fünfzig Jahren Freude haben an seinen Ideen, sich mit ihnen auseinandersetzen und daraufhin vielleicht sogar selbst kreativ werden.“

Der Hamburger Lichtplaner Prof. Peter Andres hat ein individuelles Beleuchtungskonzept für den Zeisehof entwickelt.

Der Kopf hinter dem Projekt.

Martin Murphy ist einer der Köpfe von Störmer Murphy and Partners. Mehr als 50 anspruchsvolle Kultur-, Verwaltungs- und Hotelgebäude hat das Hamburger Architekturbüro seit 1990 realisiert, zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen und Wettbewerbe gewonnen. Das Portfolio reicht von der Sanierung denkmalgeschützter Bauten bis zur Neuplanung, vom Innenausbau bis zum Städtebau, von der Studie bis zur Generalplanertätigkeit.

Lage
Hamburg
Architektur/Bauplanung
störmer murphy and partners
Bauherr
Grundstücksgesellschaft Zeise II mbH & Co. KG c/o Quantum Immobilien AG
Grundfläche
3420m²
Fertigstellung
2017
Autor

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