31. Januar 2018 | Statik | Schallschutz | Nachhaltiges Bauen

In Stein gebaute Visitenkarte.

Das neugebaute Verwaltungsgebäude des Verbandes der Norddeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e.V macht mit einer außergewöhnlichen Fassaden­gestaltung auf sich aufmerksam: Wie ein Stoff wirft die zu drei Seiten vollständig geschlossene Fassade aus Klinker Falten. Für den Textilverband ist der von behet bondzio lin architekten aus Münster entworfene Neubau eine in Stein gebaute Visitenkarte.

Der textile Ansatz zieht sich als roter Faden durch das Gesamtkonzept – vom äußeren Erscheinungsbild bis zur Inneneinrichtung. Für die Architekten war die Zusammenarbeit mit dem Verband der Norddeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e.V. ein Glücksfall: „Es gab viel kreativen Spielraum und wir konnten im Sinne einer Corporate Architecture ein gestalterisches Gesamtkonzept für Architektur und Innenarchitektur realisieren“, so Dipl. Ing. Architektin Stefanie Gaasch, die das Projekt leitete. „Sowohl das äußere Erscheinungsbild als auch die Einrichtung des Neubaus sind geprägt von textilen Elementen und dem Farbkonzept. Inspiriert von Möbelstoffen haben wir fünf Blau-Grün-Farbtöne ausgewählt, die in Ergänzung zu dem rötlichen Farbspektrum des Klinkers sehr harmonisch wirken. Diesen Farbtönen haben wir Grau, Anthrazit und Schwarz hinzugefügt und darauf das Farbgestaltungskonzept aufgebaut.“

Die Fassade fasst den langgestreckten Baukörper zum Osten, Süden und Westen vollständig ein. Lediglich gen Norden öffnet sich der Neubau mit einer Glasfassade, die eine wunderschöne Aussicht in den angrenzenden Friedenspark mit seinem kleinen See bietet. Diese Ausrichtung schafft zugleich die Voraussetzungen für ein energetisch optimiertes Bürogebäude mit der Energieeffizienz eines KfW-Effizienzhaus 55 und einem Jahres-Heizwärmebedarfs von 76 kWh/m2a.

Fassadengestaltung transportiert textiles Image.

Eine Fassade mit textiler Anmutung: Bereits der erste Blick auf das Bürogebäude assoziiert das Thema Textil. Die Besonderheit des Bürogebäudes beruht auf einer zweischaligen Außenwandkonstruktion, bestehend aus einem tragenden Kalk­sand­stein-Mauerwerk von KS-ORIGINAL und einer vorgesetzten Verblendschale. Ihr starkes textiles Image verdankt die Fassade des Neubaus der ungewöhnlichen Komposition des Sichtmauerwerks. Für den gewünschten Effekt des Faltenwurfs wurde mit Hilfe eines eigens geschriebenen Computerprogramms die Steinanordnung parametrisch bis ins Detail entworfen und ein spezieller Verlegeplan entwickelt.

Nach diesem Plan setzten die Handwerker 74.000 sandfarbene bis rötliche Wasserstrichziegel Stein für Stein exakt an die vorgegebene Position. Der unterschiedliche Hub der Steine bewirkt, dass die Fassade aussieht, als sei sie in Bewegung. Durch die differenzierten Tiefen der Backsteine wird der Himmel unterschiedlich reflektiert. Es entsteht ein ständig neues Spiel von Licht und Schatten, das den Eindruck erzeugt, als liege auf der Fassade ein Tuch, über das der Wind streicht.

Die im Leipziger Bildermuseum stehende Beethoven-Statue von Max Klinger lieferte den Architekten die Inspiration zu der als Faltenwurf gestalteten Fassade. Genau gesagt war es der Mantel über den Knien Beethovens. Der Faltenwurf lässt das Tuch aus rötlichem Alabasterstein fließend leicht wirken. Dennoch erkennt der Betrachter der Statue sogleich, dass es aus massivem Stein besteht.

Inneneinrichtung: Textile Elemente geben den Ton an.

Wie das äußere Erscheinungsbild, so ist auch die Einrichtung des Neubaus von textilen Elementen geprägt. Wanddekorationen aus großdimensionierten Filzgeflechten, textile Lichtdecken, mit Stoff verkleidete Pendelleuchten, Pinnwände und Schreibtischunterlagen aus Filz machen den Textilverband im Inneren erlebbar. Dabei sind die zahlreichen textilen Elemente nicht nur identitätsstiftend, sie schaffen für die Mitarbeiter und die Mitglieder des Textilverbandes auch eine ganz besondere Wohlfühlatmosphäre.

Solide Außenwandkonstruktion für identitätsstiftende Architektur.

Der Rohbau des Gebäudes mit seinen tragenden Wänden aus Kalksandstein konnte gegenüber den Terminzielvorgaben bereits zwei Wochen früher fertiggestellt werden.

So konnte der Verband der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie am 02. September 2016 zum Richtfest seines neuen Verwaltungsgebäudes in Münster einladen.

Die Außenwandkonstruktion besteht aus einem zweischaligen Mauerwerk. Als Hintermauerwerk kam Kalksandstein zum Einsatz. Davor die Backsteinfassade mit textiler Anmutung.

Für das tragende Mauerwerk wurden insbesondere Plansteine und Kleinformate von KS* verwendet.

Lage
Münster
Architektur/Bauplanung
behet bondzio lin architekten
Bauunternehmen
Averbeck Bau GmbH & Co.KG
Bauherr
Verband der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e.V.
Jahres-Primärenergiebedarf
76kWh/m²
Grundfläche
975m²
Fertigstellung
2017

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