Vom Rohstoff zum Baumaterial KS*
Neun Teile Sand, ein Teil Kalk und etwas Anmachwasser: Die Rezeptur für den Kalksandstein, aus dem Kronsrodes neue Wohngebäude größtenteils erwachsen, geht zurück auf das Jahr 1880, als der Baustoffchemiker Dr. Wilhelm Michaelis erstmals Sand-Kalk-Mörtel mit Wasserdampf härtete. 14 Jahre später begann die industrielle Produktion der weißen Steine in Schleswig-Holstein – und heute gehört Kalksandstein zu den Marktführern im mehrgeschossigen Wohnungsbau. „Bauen mit Kalksandstein zählt zu den kostengünstigsten Baukonstruktionen, steht aber auch für einfaches Bauen und ist als natürliches Material zeitgemäß. Vor allem die bauphysikalischen Eigenschaften – Tragfähigkeit, Brandschutz und insbesondere auch Schallschutz – sind für den Wohnungsbau in Kronsrode von großer Bedeutung“, so Theissing.
Als kalkgebundener Baustoff trägt Kalksandstein auch aktiv zum klimaoptimierten Bauen bei, denn durch natürliche chemische Reaktionen speichert er dauerhaft CO2. In einer Studie an der Universität Kassel, in der eine CO₂-Aufnahme durch Recarbonatisierung untersucht wurde, kam Prof. Dr. Bernhard Middendorf, Leiter des Fachgebiets Werkstoffe des Bauwesens und Bauchemie, zu dem Ergebnis, dass Kalksandsteine prinzipiell rund 50 Kilogramm CO2 pro Tonne aufnehmen können – dies entspricht aktuell rund 40 Prozent des bei ihrer Herstellung entstehenden CO2. Anstriche und Putze verlangsamen zwar die natürliche Recarbonatisierung, verhindert wird sie aber nicht. Und auch im Falle einer Zerkleinerung nach einem Gebäuderückbau wird das CO2 im Recyclingprozess nicht wieder abgegeben.