Architekten Spiekermann Haus Schlottbom Titelbild
24. Oktober 2017 | Statik | Energieeffizientes Bauen | Raumklima

„Mein Konzept? Großzügige Zurückhaltung.“

Zwischen Ems und Böhmer Bach, im Norden der beschaulichen Stadt Telgte, liegt das „Haus Schlottbom“. Gemeinsam mit den Bauherren haben die Architekten Spiekermann aus Beelen hier ein modernes, auffallend dezentes Eigenheim realisiert, das Bauhaus und westfälische Baukultur gekonnt verbindet.

Diese Lage inspiriert natürlich.

In direkter Nähe zur Wallfahrtskirche, zwischen großen Grünflächen, alten Baumbeständen und einem idyllischen Bachlauf, befindet sich ein rund 700 Quadratmeter großes Grundstück. Inmitten dieser malerischen Umgebung erhebt sich ein puristischer Massivbau, eine fast T-förmige Komposition aus Putz, Klinker und Kalksandstein von KS*, die sich mit großen Glasfassaden weit in die Natur öffnet und förmlich Teil von ihr wird.

Die Idee für das Gebäude ist mir nicht am Schreibtisch gekommen, sondern auf dem Baugrund.

Zur Straßenseite hin lässt sich davon allerdings nur wenig erahnen. Bis auf die beiden Eingangsbereiche, ein senkrechtes Lichtband und das um vier Meter zurückgesetzte, verglaste Obergeschoss präsentiert sich Haus Schlottbom verschlossen – fast so, als kehre es einem den Rücken zu.

„Die Idee für das Gebäude ist mir nicht am Schreibtisch gekommen, sondern auf dem Baugrund. Nachdem ich mich dort umgesehen hatte, wollte ich unbedingt ein modernes Haus errichten, das sich harmonisch in diese traumhafte Landschaft einfügt. Auf Wunsch der Bauherren sollte aber auch möglichst viel Raum für Privatsphäre geschaffen werden, weshalb wir das Gebäude zur Straße hin geschlossen und zum Garten hin geöffnet haben. Hier schützen Bäume, Büsche und eine zweieinhalb Meter hohe, massive Steinwand vor neugierigen Blicken“, verrät Architekt Oliver Spiekermann. „Natürlich bringt jedes Projekt seine ganz eigenen Herausforderungen mit. Deshalb müssen Architekten mit verschiedensten Inspirationsquellen umgehen können. Das kann eine besondere Lage sein, eine interessante Blickachse, ein spannender Baustoff oder etwas völlig anderes. Anregungen findet man überall! Man sollte mit offenen Augen durch die Welt gehen und versuchen, sich eine gewisse Neugier zu bewahren.“

Zur Straße hin wurde Haus Schlottbom fast vollständig geschlossen, um möglichst viel Raum für Privatsphäre zu schaffen.

Die Gartenseite dagegen präsentiert sich offen und großzügig – auf diese Weise verschmilzt das Gebäude praktisch mit der Natur.

Bauhaus trifft westfälische Baukultur.

Haus Schlottbom orientiert sich klar am Bauhausstil, nimmt aber auch Bezug auf die traditionelle westfälische Baukultur. Die Wandkonstruktion des 207 Quadratmeter großen Gebäudes bilden massive, großformatige Kalksandsteine des KS* Bausystems KS-QUADRO. Das Erdgeschoss wurde als zweischaliges Mauerwerk mit hellem Klinker ausgeführt. Das Obergeschoss wurde mit vorgesetzten Putz- und Klinkeranteilen erstellt. Eine sechs Meter hohe Stütze auf der Gartenseite „trägt“ das Dach und verbindet beide Geschosse. Durchgehend helle Farbtöne lassen das gesamte Bauwerk angenehm leicht und zurückhaltend wirken. Für ein wenig Kontrast sorgen die anthrazitfarbenen Profile der bodentiefen Fenster und der Eingangstür sowie das gleichfarbige Doppelgaragentor. Warum er gerade zu dieser Komposition gekommen ist, erklärt Architekt Oliver Spiekermann so: „Die Bauherren hatten sehr individuelle Ansprüche an Gestaltung, Großzügigkeit und Transparenz. Sie wollten von überall im Haus die prächtige Natur genießen können. Deshalb haben wir zahlreiche raumhohe Fenster und gläserne Schiebetüren eingeplant. Zudem überkragt das Obergeschoss das Erdgeschoss des Gebäudes um gut drei Meter, wodurch eine sehr geräumige, überdachte Terrasse entstanden ist.“

Offene Wohnbereiche und durchgehened helle Farbtöne tragen zur harmonischen Atmosphäre bei.

Die anthrazitfarbenen Fenster, der Eingangsbereich und das Garagentor sorgen für angenehme Kontraste.

Viel Raum für Individualität.

Auch im Inneren des Hauses dominieren Helligkeit und großzügige Zurückhaltung. Weiß verputzte Wände und ein großformatiger Limestoneboden nehmen den Farbton der Fassade auf, die offenen Wohn- und Lebensbereiche verschmelzen förmlich miteinander. Auf Innenwände wurde fast gänzlich verzichtet. Nur ein freistehender, dreiseitig verglaster Kamin deutet den Übergang vom Ess- zum Wohnbereich an. Neben dem Essplatz führt eine freischwebende Faltwerktreppe aus Beton hinauf in das Obergeschoss. Hier befinden sich der Schlaf- und Ankleidebereich sowie ein luxuriöses Badezimmer mit einer freistehenden Badewanne und einer Sauna. Die Zonierung dieser Räume entwickelte sich während der Zusammenarbeit mit den Bauherren, wie Oliver Spiekermann berichtet: „Oft haben wir einfach so viele Ideen, dass wir unseren Kunden gleich mehrere Entwürfe präsentieren. Diese werden dann gemeinsam besprochen, entsprechend modifiziert und manchmal auch miteinander verschmolzen. Gute Architektur braucht eben Zeit!“

Um seinen Ideen Form zu geben, greift Oliver Spiekermann am liebsten zu Papier und Stift. Aus den Skizzen werden dann haptische Modelle gebaut.

„Oft haben wir einfach so viele Ideen, dass wir gleich mehrere Entwürfe präsentieren. Gute Architektur braucht eben Zeit.“

Flexible Planung hat massive Vorteile.

Die Stärke des finalen Entwurfs liegt auch an der klaren Materialkomposition. Oliver Spiekermann baut für seine Kunden am liebsten auf Kalksandstein von KS*: „Gerade bei anspruchsvollen Bauvorhaben wie dem Haus Schlottbom gewährleistet ein Höchstmaß an Flexibilität in Planung und Ausführung die architektonische Qualität eines Gebäudes. Zur Einhaltung von Bauzeiten ist es für mich zudem besonders wichtig, dass die von uns verwendeten Baustoffe regional jederzeit verfügbar sind. Mit Kalksandstein können wir so in allen Leistungsphasen sehr flexibel auf Änderungen und Kundenwünsche reagieren“.

Flexiblität, bis in die Bauphase, ist für mich ausschlaggebend.

Und das Material bietet noch weitere Vorteile: Es ist auch extrem tragfähig und sorgt als natürlicher Wärmespeicher für ein höchst angenehmes Raumklima – bei niedrigen Energiekosten. Haus Schlottbom etwa hat aufgrund der zweischaligen Bauweise in Kombination mit dreifach verglasten Fenstern und einer Erdwärmepumpe einen Jahres-Primärenergiebedarf von nur 62 kWh pro Quadratmeter.

 

Der Kopf hinter dem Projekt.

Oliver Spiekermann ist Inhaber und Geschäftsführer von Architekten Spiekermann in Beelen. Das traditionsreiche und vielfach ausgezeichnete Architekturbüro wurde 1965 von seinem Vater Gert Spiekermann gegründet und verfügt über besondere Kompetenzen in den Bereichen moderne und traditionelle Häuser, Umbauten und Denkmalschutz, Wohnungs- und Gewerbebau, Sonderbauten und landwirtschaftliche Gebäude.

Lage
Telgte
Architektur/Bauplanung
Architekten Spiekermann
Bauunternehmen
Gerhard Bauunternehmen GmbH
Bauherr
Privat
Jahres-Primärenergiebedarf
62kWh/m²
Grundfläche
600m²
Fertigstellung
2014
Autor

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